Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Wir haben ein Zuhause, Geld und die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Wir sind gesund, können miteinander sprechen und unser Leben genießen.
Und was machen wir? Entweder wir jammern, dass es uns so schlecht geht. Oder wir sehen uns zuhause auf unserem Flachbildschirm einen Amoklauf an. Wie Schüler aus einer Schule im Sarg mit einem schwarzen Tuch darüber abtransportiert werden. Wo die Mütter zuhause das Mittagessen gekocht haben und warten, dass ihre Kinder nach Hause zum Essen kommen.
Die erst 14 oder 15 Jahre alt sind und noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Die vielleicht gerade geträumt haben oder verliebt waren.
Er hatte keinen Grund, er hatte ja einen Ausbildungsplatz. Super! Juhu! Hurra Deutschland!
Wenn ich schon Horst Köhler höre, wir müssen einander mehr Aufmerksamkeit schenken. Da wird einem ja schlecht. Und Angie zeigt sich auch ganz betroffen.
Mich macht das so wütend, dass ich kaum Worte finde. Es ist einfach so, dass man sich an alles irgendwann gewöhnt und es keinen mehr aufschreckt. Merkt ihr noch etwas?
Entsetzen und Fassungslosigkeit, oder Sensationsgier, Fragen und keine Antworten. Wenigstens kommt der Fernsehbericht live aus der Kirche, um die Trauenden nicht zu stören. Wie taktvoll und verständnisvoll.
Ich möchte immer die Kraft haben, zu hoffen. Auf ein besseres Leben. Auf eine bessere Welt. Manchmal frage ich mich, Gott, warum hast du uns hier alleine gelassen? Siehst du denn nicht, dass wir ohne dich nicht klar kommen? Dass wir dich doch brauchen?
Wir haben so viel, was wir gar nicht brauchen. Unseren Luxus, unseren Wohlstand. Aber nicht mal etwas Liebe und Aufmerksamkeit, ein nettes Wort oder ein Lächeln, oder Mitgefühl. Das ist uns zu teuer, das geben wir dem anderen nicht. Bis es zu spät ist. Klar, wenn wir das vorher gewusst hätten, da hätten wir uns ganz anders verhalten. Wie Mitmenschen. Und in einem Miteinander.
Seit Tagen versuche ich optimistisch und gut gelaunt zu bleiben. Obwohl es dauernd regnet, obwohl nicht alles toll läuft. Ich versuche immer, den Kopf oben zu halten, und etwas Humor zu finden.
Aber dann kommt so ein Tag, und so eine Nachricht. Dann frage ich mich echt, wofür machen wir das denn alles? Jeden Tag eine Arbeit, einen Sinn suchen und sich nicht unterkriegen lassen.
Nur die unauffälligen Typen, die vergessen wir manchmal. Bis sie uns daran erinnern, dass sie da sind. Dass sie nichts vergessen haben, sie haben sich alles gemerkt. Jedes böse Wort und jeden Schmerz. Das wird uns dann zu den Nachrichten aufgetischt. Guckt, hier, das wollte ich euch noch sagen.
Es ist so schrecklich, wenn die Eltern da im Fernsehen gezeigt werden, wie sie sich freuen. Ja, mein Kind hat überlebt! Aber was ist mit den anderen? Was machen die denn heute abend? Einen guten Abend noch.